Sanitas Troesch: Wie plant man die perfekte Küche?
Davide Orlando: Als Architekt denke ich die Küche immer als Teil eines Gesamtkonzepts. Positionierung, Materialien, Farben und Raumwirkung müssen harmonieren – egal ob Neubau oder Renovation. Perfekt ist eine Küche dann, wenn sie sich mühelos in den Wohnraum einfügt und den Bedürfnissen der Nutzenden entspricht.
Max Isler: Für mich ist die perfekte Küche vor allem ein Ort zum Wohlfühlen. Sie muss zu den Menschen passen, die sie nutzen. Meine Aufgabe ist es, die Wünsche der Kundinnen und Kunden möglichst genau umzusetzen. Dank moderner Visualisierungen sehen sie heute schon früh, wie ihre Küche später wirkt – das erleichtert die Entscheidungen enorm.
Angelika Durrer: So unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich sind ihre Küchen. Wichtig bei der Planung ist, alle Wünsche ernst zu nehmen und in eine funktionierende Lösung zu übersetzen. Gerade bei offenen Küchen muss alles – vom Wohnraum bis zur Garderobe – zusammenpassen. Und bei Renovationen ist die Herausforderung, dass teilweise verschiedene Stilwelten aufeinandertreffen. Geschmack ist aber immer eine persönliche Angelegenheit, weshalb ich es wichtig finde, dass Bauherrschaften sich ganz auf sich selbst besinnen und nicht auf Stimmen von aussen hören.
Davide Orlando: Ausser auf die von uns Profis. (lacht) Herausforderungen sehe ich vor allem dann, wenn Projekten der rote Faden fehlt. Oder Kundinnen und Kunden zwar wissen, was sie wollen, aber von den Meinungen anderer oder vom Internet beeinflusst sind. Dann ist es unsere Aufgabe, die echten Bedürfnisse zum Wohle der Kundschaft herauszufiltern.
Wie haben sich die Entscheidungsprozesse in Zeiten von Social Media und Onlinenutzung verändert?
Angelika Durrer: Diese Einflüsse zeigen sich unterschiedlich. Manche Kundinnen kommen mit neu lancierten Farben oder Bildern von Instagram, die noch gar nicht verfügbar sind. Andere wünschen sich Küchen, die weder zu ihrem Grundriss noch zu ihrem Budget passen. Dann braucht es viel Fingerspitzengefühl in der Beratung.
Max Isler: Die Kundschaft ist heute sehr gut informiert über Materialien und Geräte. Unsere Stärke liegt deshalb weniger im Detailwissen und der Beratung einzelner Produkte, sondern im ganzheitlichen Aufbau einer funktionierenden Küche.
Davide Orlando: Die Informationsflut macht auch vor der Küchenplanung nicht Halt, was Nicht-Profis schnell überfordert. So werden teils Konzepte gewünscht, die in bestehenden oder geplanten Räumen gar nicht realisierbar sind. Entscheidend ist eine frühe Planung: von der Positionierung der Küche über ihre Anordnung bis hin zu ergonomischen Fragen – dafür sind wir da.
Küchen werden immer smarter und individueller – welche Entwicklungen sind aktuell besonders spannend?
Davide Orlando: Ich unterscheide klar zwischen Mietmarkt und Eigentum. In Mietwohnungen werden die Grundrisse kompakter und die Küchen entsprechend effizienter geplant. Bei Eigentum stehen hingegen Individualität und Massanfertigung im Vordergrund. Unabhängig davongewinnt der Aspekt der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung – von der Herkunft der Materialien bis hin zu robusten, langlebigen Details mit Wiederverwendungspotenzial. Hinzu kommen gesellschaftliche Entwicklungen: Gesundes Kochen führt dazu, dass Küchen wieder funktionaler werden. Auch Smart-Home-Lösungen werden gewünscht. Die Küche bleibt jedoch ein Ort des Kochens und der Begegnung – zwischen klassisch und smart ist heute nahezu alles möglich.
Angelika Durrer: Meiner Erfahrung nach gehen die Meinungen auseinander: Technikaffine sind begeistert, wenn sie dem Poulet beim Garen per Kamera zusehen können. Andere möchten bewusst keine Spielereien, sondern eine einfache Bedienung mit Drehknopf.
Max Isler: Bei der Technik – Stichwort KI – lässt sich schwer abschätzen, was sich durchsetzen wird. Ich glaube, dass der Trend zu mehr Technik weitergehen wird. Persönlich faszinieren mich neue Lösungen. Gleichzeitig sehe ich, dass sich der Küchenbau in den letzten 30 Jahren weniger verändert hat, als man vielleicht denkt. Es gibt neue Farben und neue Materialien, aber die grossen Entwicklungen finden heute vor allem in der Technik und im Bereich Licht statt. Viele Kundinnen und Kunden möchten aber vor allem eine Küche, die im Alltag funktioniert. Gerade bei offenen Küchen könnte man mit intelligenten Licht- und Ambiente-Konzepten noch viel mehr herausholen.
Angelika Durrer: Die Möglichkeiten wären da – indirektes Licht, Sockelbeleuchtung, Lichtintegration im Dunstabzug und vieles mehr. Oft bleibt es aber bei ein paar Spots.
Wie realisiert ihr die Wünsche eurer Kundinnen und Kunden?
Max Isler: Heute wird viel über Bilder kommuniziert. Das erleichtert den Dialog enorm – ein Bild sagt mehr als lange Beschreibungen und hilft, die Vorstellungen präzise zu schärfen.
Angelika Durrer: Pläne zu lesen ist schwierig. Visualisierungen am Bildschirm oder in der Ausstellung machen deshalb den Unterschied. Farben, Materialien oder Raumwirkung lassen sich so viel besser einschätzen – etwa ob eine schwarze Küche zu dominant oder eine helle zu steril wirkt. Ein realistischer Budgetrahmen hilft dabei enorm. Diesen zu setzen braucht Fingerspitzengefühl – ohne klares Budget ist eine seriöse Beratung kaum möglich.
Davide Orlando: Trotz Inspiration aus dem Netz braucht es eine enge Zusammenarbeit. Bedürfnisse, Architektur, Küche und Details sollten gemeinsam gedacht werden – nur so entsteht ein Resultat, das gestalterisch überzeugt und zugleich ergonomisch wie funktional ist.
Ist Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten also der Schlüssel zum Erfolg?
Angelika Durrer: Das Schöne an unserer Arbeit ist ja, Menschen zu begleiten. Für mich ist ein laufender Informationsaustausch für den Erfolg deshalb zentral. Je mehr wir voneinander wissen – etwa über Wandverschiebungen, Einbauten oder Materialien –, desto besser können wir die Küche ins Gesamtkonzept integrieren. Wenn solche Infos fehlen, plant man isoliert und wichtige Feinheiten gehen verloren. Gerade die Zusammenarbeit mit Schreinern eröffnet hier neue Möglichkeiten. Wenn Fronten, Bänke oder Garderoben aus einer Hand kommen, schafft das Mehrwert für den Kunden. Denn selbst die schönste Küche wirkt nicht, wenn Boden, Farben oder Materialien nicht harmonieren. Entscheidend ist das Gesamtkonzept – fehlt es, bleibt ein ungutes Gefühl zurück.
Max Isler: Bei Projekten mit Innenarchitekten ist vieles meist klarer, weil das Gesamtkonzept bereits steht. Schwieriger wird es bei Einzelprojekten, bei denen nur ein Raum geplant wird.
Davide Orlando: Je nach Projekt begleiten wir die Kundschaft sehr eng – von der Ausstellung bis zur Detaildefinition und -entwicklung. Gelungene Küchen sind keine Frage des Budgets: Gute Architektur entsteht nicht allein durch Geld, sondern durch ein durchdachtes und stimmiges Konzept, klare Strukturen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Eine zentrale Abstimmung und ein Team mit unterschiedlichen Kompetenzen ist ideal. Ergänzend können schnell verfügbare 3D-Visualisierungen helfen, das Resultat anschaulich zu machen.
In unseren Ausstellungen bieten wir mit Touch Reality eine solche schnelle 3D-Visualisierung…
Max Isler: Wir nutzen Touch Reality vor allem in frühen Phasen, um Layout und Anordnung zu definieren. Dafür komme ich mit meiner Kundschaft zu Sanitas Troesch. Entscheidend ist, dass auf allen Seiten Fachleute sitzen, die dieselbe Sprache sprechen. Nur so lassen sich Details sauber planen und verständlich vermitteln.
Angelika Durrer: Ein gemeinsames Arbeiten an der Touch Reality-Visualisierung könnte noch intensiviert werden. Es kommt vor, dass Architekten punktuell dazustossen, um Details zu prüfen – etwa Lüftungslösungen oder besondere Einbauten –, aber das Potenzial wird sicher noch nicht ausgeschöpft.
Davide Orlando: Ich glaube auch, dass solche Tools noch zu wenig genutzt werden. Gerade in frühen Projektphasen wäre es wertvoll, Architektur, Küche und Materialien gemeinsam zu visualisieren. Wenn alle Beteiligten früh eingebunden sind, können Konzepte schneller und klarer entwickelt werden. Es geht um gegenseitiges Verständnis, was technisch und gestalterisch möglich ist. Hier kann Sanitas Troesch künftig eine wichtige Rolle übernehmen.
Stichwort Fachkräfte – viele Firmen suchen Nachfolger. Wo seht ihr Chancen für Schreinerbetriebe, Küchenbauer oder Architekturbüros?
Max Isler: Das Potenzial ist riesig – gerade für junge Leute eine Chance. Sie könnten nach der Lehre oder dem Studium eine Firma übernehmen, oft mit bestehendem Kundenstamm und funktionierenden Prozessen. KI erleichtert zwar einige Aufgaben, doch das Handwerk wird in den nächsten 20 Jahren wieder an Bedeutung gewinnen, weil es nicht einfach ausgelagert werden kann. Politik und Ausbildung müssen das fördern.
Davide Orlando: Trotz KI bleibt der Mensch zentral – wir brauchen Zusammenarbeit, ein Gespür für Details, Materialien, Beratung und Kommunikation. Das motiviert junge Leute, den Wert ihrer Arbeit zu sehen und zu innovativen und mutigen Fachkräften zu werden.
Angelika Durrer: Genau. Es ist schön, am Ende des Tages das Ergebnis der eigenen Arbeit zu sehen. Gerade Schreinerberufe bieten diese greifbare Belohnung. Es gibt gute Firmen, die Nachfolgende suchen – die Chance ist da. KI wird kommen, aber zunächst eher als Unterstützung, nicht als Ersatz.
Worauf legt die Kundschaft heute wirklich Wert?
Davide Orlando: Auf eine professionelle Beratung, Transparenz und Geschwindigkeit. Rasche Rückmeldungen und schnelle Entwürfe sind entscheidend. Ein erstes visuelles Konzept mit grober Preisindikation ist oft wichtiger als eine exakte Zahl – so lässt sich erkennen, wie die Gestaltung wirkt und was das Budget abdeckt. Eine klare Preisgestaltung ohne Rabattierung ist meines Erachtens der beste Weg. Planung, Beratung und Service müssen ihren Wert haben und offen verrechnet werden. Nur so entsteht Klarheit – für alle Beteiligten.
Max Isler: Um effizient zu arbeiten, müssen wir alle unsere Planungsleistungen besser verkaufen. Eine einfache Visualisierung mit klarer Kostenstruktur hilft enorm – detaillierte Visualisierungen dürfen dann auch etwas kosten und werden bei Auftragserteilung angerechnet.
Was wird oft unterschätzt in der Küchenplanung?
Angelika Durrer: Beratung braucht Zeit. Genauso wie die vielen Entscheidungen, die getroffen werden müssen: Material, Ergonomie, Zubehör.
Max Isler: Die Auswahlmöglichkeiten. Bei einer Küche kann man aus hunderten Teilen wählen. Und die Dauer des Einbauprozesses, der schnell mal vier Wochen dauert, damit die Qualität auch entsprechend hochwertig ist.
David Orlando: Die Anzahl der Überlegungen, die Komplexität der diversen Abhängigkeiten und die vielen involvierten Personen. Eine gelungene Küche braucht ihre Zeit – für den Entwurf, die Detailplanung, die Auswahl der Komponenten und Materialien bis hin zur nachhaltigen Produktion. Kundinnen und Kunden profitieren dabei besonders von der Arbeit eines Schweizer Schreiners: Qualität zeigt sich nicht nur visuell, sondern auch in langlebigen, robusten Küchen, die reparierbar sind und lange schön bleiben, statt dass alles ersetzt werden muss.